KVH oder BSH für den Holzcarport: Warum das Produkt zur Bemessung passen muss
Warum die Wahl zwischen KVH und BSH mehr ist als eine Vorliebe
Viele Bauherren fragen zuerst nach der Holzart – Fichte, Kiefer oder Lärche. Für die Tragfähigkeit eines Holzcarports ist jedoch mindestens ebenso wichtig, welches Holzprodukt verbaut wird. Konstruktionsvollholz (KVH) und Brettschichtholz (BSH) sind keine Holzarten, sondern Bezeichnungen für unterschiedlich hergestellte Holzprodukte. Welche Variante für ein bestimmtes Bauteil sinnvoll ist, hängt vom Entwurf, von der Spannweite und von der Bemessung ab.
Was KVH und BSH unterscheidet
Konstruktionsvollholz (KVH)
KVH wird aus technisch getrocknetem, sortiertem Vollholz hergestellt. Es kommt in der Regel als stabförmiges Bauteil in Querschnitten, die für viele Carport-Konstruktionen üblich sind. Charakteristisch sind eine definierte Holzfeuchte und eine festgelegte Festigkeitsklasse.
Brettschichtholz (BSH)
BSH besteht aus mehreren miteinander verklebten Holzlamellen. Durch die Schichtung lassen sich größere Querschnitte und längere Bauteile herstellen, als es mit einem einzelnen Stamm möglich wäre. BSH ist keine eigene Holzart, sondern ein Produkt – auch Lärche-BSH ist technisch möglich.
Beide Produkte können für tragende Bauteile eingesetzt werden, sofern sie für den jeweiligen Verwendungszweck bemessen sind.
Wann KVH die passende Wahl ist
KVH ist häufig die wirtschaftliche Lösung, wenn:
- die Spannweiten und Querschnitte im üblichen Carport-Bereich liegen,
- keine außergewöhnlich großen Stützweiten gefordert sind,
- die Bauteile ohne aufwendige Verbindungssysteme auskommen.
Bei Standard-Carports mit Pfosten in regelmäßigen Abständen und moderaten Dachflächen ist KVH oft ausreichend.
Wann BSH sinnvoller ist
BSH wird bevorzugt, wenn:
- größere Spannweiten ohne Zwischenpfosten überbrückt werden sollen,
- höhere Tragfähigkeit bei vergleichbarem Querschnitt gefragt ist,
- besondere Anforderungen an Formstabilität und geringe Verformung bestehen,
- optisch schlanke, aber tragfähige Bauteile gewünscht sind.
Ein Doppelcarport oder ein Carport mit weit auskragendem Dach kann schnell in den Bereich kommen, in dem BSH die statisch sinnvollere Lösung darstellt.
Warum „Massivholz“ allein nicht ausreicht
In Angeboten taucht häufig der Begriff „Massivholz“ auf. Diese Bezeichnung beschreibt jedoch weder die Festigkeitsklasse noch die Verleimung oder die Holzfeuchte. Für ein tragendes Bauteil ist das zu ungenau. Für die Bemessung eines Carports braucht es Angaben wie:
- das konkrete Holzprodukt (KVH, BSH oder gleichwertig),
- die Festigkeitsklasse,
- die vorgesehene Verwendung,
- den Querschnitt und die Bauteillänge.
Fehlen diese Angaben, lässt sich die Tragfähigkeit nicht beurteilen. Eine Anfrage sollte daher immer das Produkt und seine Spezifikation benennen – nicht nur die Holzart.
Zusammenhang mit Entwurf und Feuchteschutz
Welches Holzprodukt passt, hängt auch davon ab, wie der Carport konstruiert ist. Ein Bauteil, das dauerhaft im Spritzwasserbereich steht, ist anders beansprucht als ein quer liegender Träger unter dem Dach. Konstruktiver Holzschutz – also Abstand zum Boden, Abdeckungen, funktionierende Anschlüsse – gehört zur Materialentscheidung dazu. Mehr zu Holzart, Produkt und Schutz liefert der Materialratgeber für Holzcarports .
Praxis-Tipp für die Anfrage
Eine vollständige Anfrage für einen Holzcarport nennt neben Maßen und Dachform auch das gewünschte Holzprodukt – oder fragt gezielt danach, welches Produkt der Anbieter für die jeweiligen Bauteile vorsieht. So lassen sich Angebote vergleichen, ohne Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
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